Exzellente Anlagenverfügbarkeit mit TPM
Prof. Dr.-Ing. Nicolas P. Sokianos
Im Kampf um Kunden, Flexibilität und schnelles Reaktionsvermögen in der Fabrik rückt das Problemfeld "Anlagenverfügbarkeit" in den Vordergrund. Hier handelt es sich nicht um ein Thema, das "untergeordnete Stellen" im Unternehmen betrifft: über die Anlagenverfügbarkeit kann das Betriebsergebnis signifikant verbessert (und auch verschlechtert) werden.

TPM (ursprünglich Total Productive Maintenance) steht zunehmend für Total Productive Management. Es ist kein Zufall, dass etliche erfolgreiche Unternehmen im Automobilsektor (PKW und NFZ) wie BMW, DaimlerChrysler, Toyota oder Knorr-Bremse seit Jahren in den Aufbau und Betrieb von TPM investieren. Hier gilt es, die Verankerung von Konzepten (aus Japan) in die Prozesse mit eiserner Disziplin und Nachhaltigkeit durchzuführen. Ungeplante Anlagenstillstände oder gar brachliegendes Anlagevermögen stellen Verschwendung dar: von Mitarbeiterzeit und von Geld; zudem wird der Rhythmus des betroffenen Produktionssystems unterbrochen - das führt zu Versorgungsengpässen oder gar zum Abriss der Belieferung der nachfolgenden Stufen oder der Kunden.
Halbherzigkeit ist nicht zielführend
Derartiges mit größeren Sicherheitsbeständen abfedern zu wollen stellt ebenfalls eine Verschwendungsform dar: Die Kapitalbindung nimmt zu, das obsolete Risiko auch; außerdem werden zusätzliche Fläche, Bediener und Lager-/Bereitstellungseinrichtungen benötigt. Freilich: Der Erfolg stellt sich nicht automatisch ein, das Wollen muss in langjähriger Arbeit zu "Können" übersetzt werden. Ob die "Könner" zu der eigenen Stammbelegschaft zählen (müssen), weil diese Tätigkeit eine Kernkompetenz darstellt, oder ob ein kompetenter Outsourcingpartner Ihre Anlagen zuverlässig betreibt, ist nicht für alle Firmen gleich zu beantworten. Nicht zuletzt sind "Green-Field" von "Brown-Field"-Fabriken zu unterscheiden: bei der erstgenannten handelt es sich um eine neue Fabrik auf der grünen Wiese, bei letzterer um eine bestehende. Sollte die Entscheidung auf einen Outsourcingpartner fallen, so sind eine Reihe von Synchronisationsmaßnahmen erforderlich - und diese erschöpfen sich nicht in juristischen Vertragswerken. Es muss ein gelebtes und gepflegtes TPM-Programm werden; ein Selbstläufer ist es keineswegs. Und: Auch ein TPM verträgt KVP.
Anmerkung: EUROFORUM hat im November eine sehr gelungene Veranstaltung zu diesem Thema durchgeführt (Maintenance 2010; siehe