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Leitthema / Standbortbericht:
Im Osten nichts Neues?
Industrielle und wirtschaftliche Perspektiven in Russland
Prof. Dr.-Ing- Nicolas P. Sokianos
Die heftigen wirtschaftlichen und industriellen Auseinandersetzungen zwischen der westlichen Welt und Russland, entfacht um den Krieg in der Ukraine, den immer noch nicht ursächlich geklärten Abschuss des malaysischen Passagierjets und schließlich die Schaffung von Fakten auf der Krim, bilden ein schwer zu entwirrendes Knäuel an Problemen.
Sie haben eins klar hervorgebracht: Eine schwere Schädigung der Industrie-Beziehungen zwischen Deutschland und Russland, mit signifikanten Einbußen im Geschäft, die durch den entschlossenen Vorstoß von chinesischen und indischen Wettbewerbern in den russischen Markt zum nachhaltigen wirtschaftlichen Verlust von Marktanteilen führt.
Traditionell ziehen die Russen Geschäfte mit deutschen Unternehmen vor, setzen auch gerne deutsche Manager zur Führung von russischen Unternehmen ein, aber wenn es um nationale russische Interessen geht, gibt es Grenzen.
Die Ursachen des Abschusses des malaysischen Passagierflugzeuges über ukrainischem Gebiet sind nur zum Teil geklärt. Gleichwohl fällt ein Teil der Schuld auf die ukrainische Regierung, die den Luftraum über dem umkämpften Gebiet, wo bereits die Aufständischen Militärflugzeuge beschossen, hätten sperren müssen. Sie taten es nicht mit der sehr fadenscheinigen Begründung, so hoch wie der Passagier-Verkehr fliegt, hätten die Aufständischen bis dahin nicht geschossen! Fakt ist, dass dem ukrainische Luftverkehr Entgelte entgangen wären, wenn Sie ihren Luftraum gesperrt hätten. Fakt ist auch, dass zum Abschuss russische Buk-Luftabwehrraketen verwendet wurden.
Fakt Nummer drei: Das Leitsystem der Raketen-Batterie kann kaum zivile von militärischen Flugzeugen unterscheiden.
Wie auch immer, eines der sichtbarsten Zeichen der Probleme in Russland ist die Schließung des Opel Werkes, das mit großen Hoffnungen aufgebaut wurde. Das zweite, noch deutlichere Zeichen, ist der dramatische Verfall des Rubels gegenüber dem Euro und dem US Dollar. So wurden im Februar 2015 ca. 80 Rubel für einen Euro bezahlt, in der Zwischenzeit hat sich der Kurs verbessert auf ca. 60.
Euro-Kurs zum Rubel (Quelle: Comdirect.de) Militärische Industrie und Raumfahrt-Technologie sind die Parade-Branchen Russlands. Hier werden die besten Ingenieurköpfe des Landes aktiv. Diese Branchen sind auch Chefsache - im wörtlichen Sinne. So hat schon mehrmals Präsident Putin interveniert und neue Leiter in Schlüsselpositionen eingesetzt. Die Produktion militärischer Technologie braucht gute Werkzeugmaschinen. Sie wurden gerne vor der Krise in Deutschland geordert. Jetzt nicht mehr. Eine Tatsache, die die deutsche Industrie schmerzt. Vom Umsatz her bzw. vom Bruttosozialprodukt ist die Öl- und Gasindustrie unangefochten die Nummer eins. Ein deutscher Manager, tätig bei einem russischen Joint Venture, brachte es auf den Punkt: Die Wirtschaft Russlands, das ist Gazprom. Dass das Gas und Öl so reichlich in Russland verfügbar ist, ist auch ein Problem, denn es hat die Modernisierhat die Modernisierungs-Aktivitäten bei anderen Branchen gebremst. Noch deutlicher formuliert: die wurden sträflich, jahrzehntelang vernachlässigt. "Das Geld aus den Rohstoffen hat uns verblödet", sagte mir wörtlich eine Professorin, die sich als Touristenführerin ein Zusatzgehalt verdient, verdienen muss. Denn mit einem Professorengehalt von 180 Euro im Monat, kann man nicht überleben, auch dann nicht, wenn die Miete noch niedrig sein sollte. Rentner zu sein, ist wenig lustig, bei 60-70 Euro Rente monatlich. Auch hier ist ein Zuverdienst dringend angesagt.
Raumfahrtechnik
Die Raumfahrttechnologie stellte viele Jahrzehnte die Vorzeige-Branche der Russen dar.
Zeitweilig genoss sie sogar eine Monopolstellung bei der logistischen Verbindung der ISS, als nämlich die über private Firmen (space x) organisierte amerikanische Technologie den Dienst quittierte und explodierte.
Leider ist in diesem Jahr der russische Träger "Progress M-27 M" Ende April nach dem Start außer Kontrolle geraten. Die wertvollen Versorgungsgüter der internationalen Raumstation ISS sind mitsamt des Trägersystems durch den unkontrollierten Eintritt in die Atmosphäre verglüht. Die Amerikaner versuchen wiederum fieberhaft ihr System wieder zu ertüchtigen.
Flugzeugbau-Industrie
Dieses Feld zeigt in dramatischer Weise - wie kaum ein anderer Technologie-Schwerpunkt - den Absturz der ehemals mächtigen Sowjetunion. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass in der Ukraine ein großer Teil der Luftfahrzeuge entwickelt und hergestellt wurden. Dieses Land liegt nun im Krieg mit Russland. Entsprechend schwierig bis unmöglich gestaltet sich eine Zusammenarbeit. Die Aeroflot fliegt heute zum größten Teil Boeing und Airbus. Die Tochter Rossija setzt im Kurzstreckenverkehr (2000-4000 km) kleinere Antonovs-AN-148 Jets ein. Das ca. 80-sitzige Muster mit der seltenen Flügelgeometrie ist gelungen, wurde aber eben in der Ukraine (Kiew) unter Beteiligung der Russen (Erstflug 2007; in kleinen Stückzahlen, in Summe 35 Stück) gebaut. Der neu entwickelte größere Sukhoi Super-Jet- 100 hatte mit einem Absturz durch Pilotenfehler bei seiner Vorführung in Asien (in Jakarta 2012) einen unglücklichen Start und dürfte kaum einen sehr großen Marktanteil gewinnen, obwohl er zu Kampfpreisen von ca. $35 Millionen angeboten wird und im Gegensatz zur Antonov 148 einen relativ hohen Anteil an westlichen Kooperationspartnern aufweist, z.B. bei den Triebwerken SaM-146 (mit Frank-reich/Saturn-Snecma). Die Vermarktung erfolgt über ein italienisch-russisches Joint Venture.
Ob es gelingen wird mit diesem Flugzeug die veraltete TU-134 und Yak-42 innerhalb Russlands zu ersetzen, wird sich zeigen. In Summe sind von dieser Maschine, die ihren Erstflug 2011 hatte, ca. 300 Flugzeuge von verschiedenen Fluggesellschaften geordert worden.
Foto N. Sokianos: Antonov 148 Bahnindustrie
Die Bahnmärkte in Russland und GUS geben kurzfristig wenig Anlass für Optimismus. Langfristig gibt es jedoch einen enormen Bedarf für die Modernisierung der Infrastruktur und des rollenden Gutes. Der größte russische Fahrzeughersteller Transmasch Holding (TMH), der fünftgrößte Hersteller von Fahrzeugen weltweit, ist auf staatliche Hilfen angewiesen. Er kann seine Aufträge nicht ohne staatliche Unterstützung durchführen. Die russische Eisenbahn (RZD) spürt selber die angespannte Situation. Das Transportvolumen ist spürbar zurückgegangen und das hat Folgen, die auch die Lieferanten betreffen. Knorr-Bremse, eines der weltweit erfolgreichsten Unternehmen seiner Branche, investiert jedoch mit unternehmerischem Mut an mehreren Standorten in Russland und zwar durch den Aufbau eigener Produktionsstätten.
Foto: N. Sokianos, Dr. M. Krug zum Seitenanfang (Themenauswahl)
Hochschulnachrichten:
Prototypen-Entwicklung und Herstellung an der University of Applied Sciences,
Beuth Hochschule für Technik in Berlin, Fachbereich Maschinenbau
Prof. Dr.-Ing- Nicolas P. Sokianos
Was die Ingenieure später in der Praxis häufig praktizieren müssen, lernen sie in Teamarbeit an der Beuth Hochschule für Technik. Von der Idee bis zur Realisierung sind es viele Schritte, die ein ganzes Semester dauern können.
Die Marktforschung, Konstruktion, Arbeitsvorbereitung, Qualitätssicherung, Herstellung, Montage und natürlich der Einkauf und die Kostenrechnung sowie die Preiskalkulation sind zu integrieren.
Bei einem Produkt wie dem abgebildeten (LED Uhr) sind das Uhrwerk und der Transformator gekauft, aber die anderen Teile wurden in eigener Regie bearbeitet und montiert.
Besonders pfiffig ist die Beleuchtung der Uhr gelöst. Sie efolgt über LED-Lampen, die im Sockel (aus Aluminium) integriert sind und über das Plexiglas gekonnt an dem per Hochgeschwindigkeits-Fräsmaschine gestaltetem Zifferblatt "hängen bleibt".
Die Vorgehensweise folgt der VDI-Richtlinie 2221 (Entwicklung technischer Systeme).
Es ist das erste Mal im Studium, wo das in einzelnen Fächern erworbene Wissen, gekoppelt mit eigener Kreativität unter Nutzung eines kleinen Budgets, in der konkreten Realisierung von Produkten mündet.
Die Gesamtkosten des Prototypen liegen bei über € 1.000.
Den größten Anteil haben hierbei die Personalkosten.
Das Team: Daniel Roßberg, Johannes Ulbricht, Karl Neuling, Manfred Moritz
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Die Design-Aspekte sind bei dieser Arbeit genauso zu berücksichtigen, wie die Herstellbarkeit und eventuell zu beachtenden Patente und Geschmacksmuster.
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Thema:
Gesetzgebung für Logistik und Infrastruktur in Europa!
Ulrike Grünrock-Kern
Ein Überblick über logistikrelevante EU-Gesetzgebung und -Förderprogramme. Der Rahmen für wirtschaftliches Handeln wird immer stärker auf europäischer Ebene gesteckt. Entscheidungen zu Freihandel, Energie-, Transport- oder Sicherheitsstandards wirken sich entsprechend auf die Arbeit deutscher Logistikanwender und -anbieter aus. Parallel dazu gibt die EU über ihre Förderprogramme beim Infrastrukturausbau die Marschrichtung in Europa vor. Alle Akteure, die sich im Wirtschaftsbereich Logistik bewegen, müssten daher ein scharfes Auge auf die politischen Initiativen Brüssels haben. In der vielfältigen Landschaft der EU-Richtlinien und -Verordnungen den Überblick zu behalten, ist ein ehrgeiziges Unterfangen. Das Spektrum der Entscheidungen, die sich mittelbar oder unmittelbar auf den Wirtschaftsbereich auswirken, ist denkbar breit. Das Whitepaper der BVL zur europäischen Gesetzgebung und zu EU-Förderprogrammen gewährt einen Einblick in die aktuell wichtigsten logistikrelevanten Entscheidungen und Förder-Initiativen in der Europa-Politik und hilft, die wichtigsten Prozesse im Blick zu behalten.
Im Folgenden der erste Teil der Europäischen Gesetzgebung. In der nächsten Ausgabe können Sie den zweiten Teil "EU-Förderprogramme" nachlesen.
Teil 1 Europäische Gesetzgebung
1. Die EU-Energieeffizienz-Richtlinie (2012/27/EU)
Das europäische Parlament und der europäische Rat haben 2012 eine Richtlinie zur Energieeffizienz verabschiedet, die den Mitgliedstaaten verschiedene Maßnahmen entlang von Wertschöpfungsketten vorschlägt, um Energie einzusparen.
Im Zentrum steht dabei die Vorgabe zur Durchführung von Energieaudits. Für große Unternehmen ist die Durchführung der Audits Pflicht.
Viele EU-Staaten haben die Richtlinie bereits erfolgreich in die nationale Gesetzgebung überführt.
Ziele
Energieeinsparungen um 20 Prozent bis 2020.
Auswirkungen auf die Logistik
Logistikanbieter und -anwender müssen die energetische Gestaltung ihrer Prozesse aktiv überprüfen. Die Auditierung bedeutet für energieintensive Unternehmen wie Logistikanbieter und auch viele -anwender finanziellen und zeitlichen Aufwand, kann aber auch einen höheren Nutzen bringen. Voraussetzung für die Auditierung von Logistik-Anbietern und -Anwendern sind Fachkräfte, die speziell für die Bereiche Transport, Lager und digitale Infrastruktur geschult und zertifiziert sind.
Aktuelle Entwicklung
Die EU-Energieeffizienz-Richtlinie war bis zum Juni 2014 in nationale Gesetzgebung zu überführen. In Deutschland finden die Vorgaben zur Auditierung in einer Änderung des Gesetzes über Energiedienstleistungen und andere Energieeffizienzmaßnahmen Niederschlag. Nach Befassung in Bundestag und Bundesrat wird die Änderung voraussichtlich im Frühjahr 2015 in Kraft treten.
Zukunft
Große Unternehmen müssen bis Dezember 2015 einen Energieaudit durchführen, danach alle vier Jahre. Bei Nichtdurchführung werden die Unternehmen sanktioniert.
Darüber hinaus sollen Programme installiert werden, die Anreize zur freiwilligen Auditierung von kleinen und mittleren Unternehmen schaffen (Steuererleichterungen im Rahmen des Spitzenausgleichs).
2. LKW-Maßverordnungen
Eine Änderung der Maßverord-nung für LKW ermöglicht die Verlängerung an Front und Heck. So genannte Lang-LKW haben eine Gesamtmasse bis maximal 40 Tonnen bzw. 44 Tonnen im Kombinierten Verkehr und eine Länge bis zu 25,25 Meter. In Deutschland werden die Lang-LKW derzeit von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BAST) für den Einsatz auf Bundesfernstraßen getestet.
Ziele
- Senkung von Kraftstoffverbrauch und Schadstoffemission
- Verbesserung der Straßenverkehrssicherheit
Auswirkung auf die Logistik
Können die Lang-LKW - wie im Moment diskutiert - nur auf explizit dafür ausgewiesenen Strecken fahren, kann nicht jeder beliebige Punkt in der Bundesrepublik auf diesem Weg erreicht werden. Häfen, Flughäfen, Produktionsstandorte oder Distributionszentren, die nicht an diesen Strecken liegen, geraten dabei eventuell ins Hintertreffen. Entsprechend werden eine abgestimmte Transportplanung und eine an die befahrbaren Routen angepasste Konfektionierung von Ladungen nötig.
Aktuell
20 Monate vor Ablauf der Pilotphase in Deutschland diskutieren Experten über Kosten und Nutzen der Lang-LKW. Bedenken tragen dabei vor allem die Unterstützer des Schienentransports. Ebenfalls wird diskutiert, ob der Zustand der Straßen- und Brücken-Infrastruktur in Deutschland den Fahrzeugen genügt. Angeregt wird daher ein "Positivnetz", das geeignete Strecken für die Lang-LKW ausweist.
Zukunft
Die Festschreibung der gesetzlichen Voraussetzungen für neue LKW-Längen werden erst 2018/2019 erwartet. Die ersten Modelle werden vermutlich erst 2021/2022 auf den Markt kommen.
3. Regeln für Verkehrsinformationssysteme
Im Dezember 2014 hat die EU-Kommission neue Regeln für effektivere Verkehrsinformationssysteme (ITS) auf den Weg gebracht. Dazu sollen entsprechende Verkehrsdaten der Nationalstaaten standardisiert und für alle Nutzer zugänglich gemacht werden.
Ziele
- Größere Verfügbarkeit von Echtzeit-Verkehrsdaten
- Steigerung der Interoperabilität verschiedener Systeme in der Union
- Der Fragmentierung von Verkehrsdaten entgegenwirken, um deren Qualität zu verbessern.
- Ziel ist eine effizientere Auslastung der Straßen und ein günstigerer Verkehrsfluss.
Auswirkungen auf die Logistik
Die Zusammenführung von Verkehrsdaten aus ganz Europa erlaubt eine Evaluation und Neubeurteilung von Verkehrsströmen und Auslastungen, die sich auch positiv auf die Effizienz des Warentransportes auswirken kann.
Aktuell
Der Investitionsplan wurde vom Europäischen Rat am 18./19.12.2014 genehmigt. Mitte Januar wurde eine entsprechende Verordnung auf den Weg gebracht.
Zukunft
Das Gesetzgebungsverfahren soll bis Juni 2015 abgeschlossen worden sein.
4. CETA
Das europäischkanadische Freihandelsabkommen umfasst Handels- und Zollerleichterungen. Es wird immer wieder als Test für das bevorstehende Abkommen zwischen der EU und den USA (TTIP) betrachtet.
Ziele
- Intensivierung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Wirtschaftsräumen
- Verbesserter Marktzugang für Industriegüter, landwirtschaftliche Produkte und Dienstleistungen
Auswirkungen auf die Logistik
Prognosen über das Ausmaß des Handelswachstums durch Freihandelsabkommen sind vielfältig und oft politisch motiviert. Untersuchungen zu bestehenden Freihandelsabkommen belegen in weiten Teilen jedoch eine grundsätzliche Zunahme des Warenverkehrs innerhalb von Freihandelszonen, sodass auch im Nachgang von CETA ein stärkerer Handel zwischen Europa und Kanada zu erwarten ist. Dieses Wachstum wird sich auch auf Verkehrsträger, Häfen, Flughäfen und Distributionszen-tren in Europa und Kanada auswirken und Logistikanbietern in diesem Bereich Auftrieb verleihen.
Aktuell
Die Verhandlungen über CETA wurden im August 2014 abgeschlossen. Nun muss das Abkommen noch vom Europäischen Parlament und dem Europäischen Rat legitimiert werden. Auch die Ratifizierung durch das kanadische Parlament und durch alle kanadischen Provinzen ist notwendig. Aktuell ist noch unklar, ob eine Legitimierung durch die EU-Mitgliedstaaten nötig ist.
Zukunft
Das BMWi rechnet mit einem Inkrafttreten nicht vor 2017. Das Inkrafttreten ist ebenfalls noch vom Ausgang eingereichter Verfahren gegen CETA beim EuGH und Bundesverfassungsgericht abhängig.
5. TTIP
Im Rahmen der Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) sollen Zölle und andere Handelsbarrieren im transatlantischen Handel zwischen der Europäischen Union (EU) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) abgebaut werden. Darüber hinaus sollen Einschränkungen für kommerzielle Dienstleistungen verringert, Investitionssicherheit und Wettbewerbsgleichheit verbessert und der Zugang zu öffentlichen Aufträgen auf allen staatlichen Ebenen vereinfacht werden.
Ziele
- Abbau von tarifären und nichttarifären Handelshemmnissen
- Förderung des Wachstums und Kostensenkung
Auswirkungen auf die Logistik
Wie bei CETA wird voraussichtlich auch das Freihandelsabkommen zwischen den USA und Europa zu einem stärkeren Warenverkehr zwischen beiden Wirtschaftsräumen führen.
Aktuell
In der 8. Verhandlungsrunde im Februar 2015 beschlossen die USA und die EU die Verhandlungen im Jahr 2015 zu intensivieren und zu beschleunigen. Jüngsten Äußerungen des amerikanischen Chefunterhändlers Bercero zufolge ist ein Abschluss vor den US-Präsidentschaftswahlen jedoch nicht zu erwarten. Wahrscheinlicher ist, dass sich die aktuellen Freihandelsbemühungen der USA zunächst auf die als wichtiger eingeschätzte Transpazifische Partnerschaft (TPP) konzentrieren. Nach aktuellen Schätzungen ist frühestens Ende 2016 mit einem Abschluss der Partnerschaft zwischen Europa und den USA zu rechnen.
Zukunft
- Zwei weitere Verhandlungsrunden sind bis zur Sommerpause 2015 geplant.
- Die Verhandlungen sollen bis Frühjahr 2016 abgeschlossen sein.
Foto: N. Sokianos: Airbus A380 6. Infrastrukturabgaben und Maut
Die derzeit diskutierte "Infrastrukturabgabe", auch als PKW-Maut bekannt, ist für die Nutzung des öffentlichen Straßennetzes in Deutschland durch Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 3,5 t angedacht. Diese Pflicht soll alle Halter von im In- und Ausland zugelassenen Fahrzeugen umfassen. Halter von in Deutschland steuerpflichtig zugelassenen PKW sind verpflichtet, eine Jahresvignette zu erwerben. Ihr Preis bestimmt sich nach der Umweltfreundlichkeit der Fahrzeuge sowie nach Hubraum und Zulassungsjahr. Die Kompensation für Halter von in Deutschland Kfz-steuerpflichtigen Pkw erfolgt über einen gleichwertigen Freibetrag in der Kfz-Steuer. Die Infrastrukturabgabe soll ab 01.01.2016 erhoben werden.
Ziele
Zusätzliche Einnahmen für Investitionen in die Infrastruktur
Auswirkung auf die Logistik
Werden die Einnahmen aus der PKW-Maut - wie angekündigt - als zusätzliche Investition in die deutsche Infrastruktur eingesetzt, können Logistikanbieter und -anwender von der Abgabe profitieren.
Aktuelle Entwicklung
Der Bundesrat hat die Gesetzesentwürfe der Bundesregierung zur Einführung der PKW-Maut und zur KFZ-Steuerentlastung auf Grund europa- und verfassungsrechtlicher Bedenken abgelehnt.
Kritik kommt von aus den Parteien jenseits von CDU und CSU sowie von EU-Politikern: Der Gesetzesentwurf sei nicht verfassungskonform und europarechtlich bedenklich. In Deutschland zeichnet sich zumindest eine Einigung innerhalb der Koalition ab, sofern das Verkehrsministerium bei einer Ungleichbehandlung von Ausländern vorbeugt.
EU-Kommissarin Violeta Bulc ist gegenüber der Beteiligung von Straßennutzern an ihrer Finanzierung grundsätzlich positiv eingestellt - sofern dabei keine Ausländer diskriminiert werden, die das Land passieren oder sich kurzfristig dort aufhalten. Darüber hinaus spricht sie sich für eine europaweit einheitliche Maut-Regelung aus, die sich an der Summe der gefahrenen Kilometer, statt an zeitlichen Faktoren bemisst.
Zukunft
Mit Blick auf die Klagen, die voraussichtlich gegen die Maut vor dem Bundesverfassungsgericht und dem Europäischen Gerichtshof gegen die Maut eingereicht werden, erscheint eine Einführung zum 01.01.2016 unwahrscheinlich.
Weitere Informationen
Ulrike Grünrock-Kern
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V., Schlachte 31, 28195 Bremen,
www.bvl.de
Tel.: 0421 / 173 84 21
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Thema:
Fabrikplanung, Produktion und Supply Chain Management "international"
Prof. Dr.-Ing- Nicolas P. Sokianos
"Die Fabrik des Jahres", der Kongress des SV-Verlags hat dieses Jahr in Hannover stattgefunden. Die Teilnehmer erwartete eine Reihe von hervorragenden Beiträgen aus der aktuellen Praxis mit sehr klarem Fokus auf die Globalisierung.
Produktionsstätten deutscher Unternehmen sind heute international tonangebend, aber Zeit zum Ausruhen ist nicht gegönnt. In einer integrierten Werksbesichtigung des Preisträgers FAURECIA konnten schlanke Produktionsstrukturen vor Ort geprüft und diskutiert werden. Eigentlich ist keine spektakuläre neue Technologie im Einsatz, sondern eine Summe von ausgeklügelten Lösungen, deren Klammer die gekonnte Führung darstellt, die der Manager Nick Miller praktiziert. Unter dem Motto "Lean ist Teil unserer DNA" hat das Werk in Peine (465 Mitarbeiter) eindrucksvoll seine Kompetenz im internationalen Produktionsverbund etabliert. "Lieber 60% sofort als 100% nie", wird eine Umsetzungspriorität definiert.
Continental in China hat andere Probleme zu stemmen:
Mit 1.500 Mitarbeitern (und nur 5 Expats) sind die Weichen auf vollständigen Transfer und lokale Autonomie gestellt. Der Abwanderung guter Mitarbeiter zu anderen Unternehmen beugt Conti durch reizvolle Karriere-Perspektiven und solidem Weiterbildungs-Konzept vor.
INFINEON in Ungarn realisiert sehr anspruchsvolle Produkte durch eine motivierte und selbstbewusste Mannschaft, so der Manager J. Bode, die gleichwohl extrem auf die Kosten und die Qualität achtet. Dass Maschinenbediener in Ungarn lediglich € 10.000 im Jahr kosten, ist sicher auch ein Standortvorteil. Die Mean Time Between Claim (MTBC) beträgt 70 Tage, die OEE 85%, die Betriebsbereitschaft zur Nutzung der teueren Anlagen: rund um die Uhr!
Der AKJ Kongress in Saarbrücken hatte traditionell seinen Fokus auf Synchronisation in der Produktion gelegt. Eine Reihe von Referenten aus der Industrie aus "Ost" (z.B. GAZ, Russland) und "West" (z.B. BMW) hatten aktuelle Themen, Probleme und Lösungen geboten.
Dr. Köhler, Vorstand für Business Development bei einer der größten Nutzfahrzeughersteller Russlands (GAZ), zeigte sich verhalten optimistisch trotz der stark angespannten politischen Situation.
Foto N. Sokianos: LKW auf russischer Baustelle
Foto N. Sokianos: Flughafen St. Petersburg:
Die Russen haben sehr zügig den neuen Flughafen geplant und umgesetzt.
Der neue Hauptstadt-Flughafen Berlin-Brandenburg fristet dagegen
im 4ten Jahr der Verspätung ein trauriges Baustellen-Dasein.
Dr. Dreher, BMW, für die internationale Produktion verantwortlich (mit unterschiedlichen lokal Content Auflagen), skizzierte unter anderem einen Health-Check für logistische Dienstleister, wohl aus der Erfahrung der Vergangenheit schlau geworden.
Eine Praxis vor Ort Session auf dem Ford Zulieferpark beim Unternehmen LMS (Herr Helmut Kapinski) hatte in eindrucksvoller Weise den Stand der Just in Sequence Produktion mit Motoren und Fahrwerken den interessierten Fachbesuchern vor Augen geführt.
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