Pressespiegel
 Effizienz und Innovation im Kapazitätenmanagement
angesichts der "Krise 2.0" oder: Business as usual?!
 
 (GfPMagazin Dezember 2012


Effizienz und Innovation im Kapazitätenmanagement
angesichts der "Krise 2.0" oder: Business as usual?!

Prof. Dr.-Ing. Nicolas P. Sokianos

Eine Begriffserläuterung ist zu Beginn dieses Beitrags angesagt. Krise 2.0 ist ein erfundener Begriff, der die letzte große Finanz- und Wirtschaftskrise als Ausgangspunkt mit "Krise 1.0" verwendet und die nächste Krise desselben oder noch größeren Ausmaßes wie die, durch die Lehmann Pleite ausgelöste Krise, mit "Krise 2.0" definiert.
Den Anlass für diesen Beitrag hat der deutsche Finanzminister, Dr. Schäuble, gegeben. Er hat im Rahmen des diesjährigen VDMA Kongresses in Berlin bezweifelt, dass die europäische Krise vorbei wäre. Prompt hat die deutsche Börse am selben Tag mit Abschlägen reagiert.

Dabei waren die Vorboten, sogenannte "Frühindikatoren", einer aufkeimenden Wirtschaftskrise in Deutschland bereits im Sommer deutlich sichtbar (siehe "Brennpunkt" in der September-Ausgabe des Magazins). Die Situation hat sich seitdem deutlich verschlechtert. Dies signalisiert auch der Geschäftsklima-Index, der in Folge zum sechsten Mal gefallen ist. Der Konsumklima-Index gibt sich dagegen robust. Dies ist kein Widerspruch. Die Konsumenten geben bei entsprechenden Umfragen eher gefühls- und nachrichtenbetonte Kaufstimmungen wieder. Der Ifo-Index wird von den Befragten in leitenden Positionen in der Wirtschaft geprägt. Diese haben einen weiteren Industrie-Horizont als die Konsumenten.
Im diesjährigen VDMA Kongress (Maschinenbau-Gipfel) war die Tonlage nicht so optimistisch, wie z.B. im letzten Jahr. Insbesondere in kleineren Gesprächskreisen, in den Pausen, sind die Sorgen dieser überdurchschnittlich robusten Branchen unüberhörbar gewesen. Die Veranstalter des Kongresses selber (VDMA, SVV - Süddeutscher Verlag Veranstaltungen GmbH) nehmen im Jahr 2013 eine Auszeit, der nächste Deutsche Maschinenbau-Gipfel findet erst wieder 2014 statt.

Produktivitätsverbesserungen/ Kapazitäten
Als ein sehr nachhaltiger Trend hat sich das Thema "Lean" in all seinen Facetten erwiesen. Diese Welle ist seit Anfang der neunziger Jahre intakt und wurde 2009/2010 noch einmal deutlich verschärft. Nach meiner Schätzung sind allein in den letzten drei Jahren Produktivitätssteigerungen von ca. 30% in verschiedenen (gut geführten) Unternehmen in Summe erreicht worden.
Nur ein Teil davon ist durch Kapazitätsreduktion absorbiert worden; mindestens die Hälfte der Verbesserung sucht die Umsetzung in höhere Absatzvolumina bzw. in besseren Konditionen und Preisen für die Produkte und Dienstleistungen. Die Absatzmöglichkeiten in den asiatischen und in den amerikanischen Staaten sowie in BRIC Ländern haben der deutschen Wirtschaft geholfen aus dem Einbruch der letzten Wirtschaftskrise herauszukommen. Die Überschuldungslage der öffentlichen Haushalte Europas hat aber in der Zwischenzeit einen Stand erreicht, der durch Exportoffensiven außerhalb Europas nicht abgefangen werden kann. So legt das Daimler-Benz Management eiligst ein Spar-Programm auf, das besser als Sanierungsprojekt bezeichnet werden sollte (ca. 3 Milliarden €). Die Betriebsvereinbarung aus dem Jahr 2001 wurde gekündigt. Man hat die Produktion an den Standorten München und Salzgitter im November für eine Woche ruhen lassen; 15.000 Mitarbeiter werden in den Urlaub geschickt. Zwei weitere Wochen sind über Weihnachten und Neujahr im Gespräch, dies um Entlassungen der Stammbelegschaft zu vermeiden. Arbeitszeitkonten werden abgebaut, die geplante Flexibilität hilft. Im August war bereits die Produktion zeitweise auf eine Schicht reduziert worden. Das ist nicht verwunderlich, da komplette Fuhrpark-Flotten von Speditionen stillgelegt oder verkauft werden.

Im Pkw-Markt sind die Zahlen nicht überall besser. Eigenzulassungsquoten von 40% und mehr sowie sehr starke Rabatte auf den Neupreis (über 20%) übertreffen das Jahr der Krise 1.0. Der französische Staat sieht sich gezwungen, EU-kompatible Hilfen anzubieten. Die PSA Werke sind nur zu etwa 65% ausgelastet, Tendenz fallend. Dafür liegt die Cash-Burn-Rate bei 200 Millionen Euro monatlich, die Marktanteile schrumpfen. Der Break Even Point muss mit einem niedrigeren Absatzvolumen erreicht werden, das sagt schon die Betriebswirtschaftslehre. Die dazu erforderlichen Maßnahmen sind jedoch schmerzhaft umstritten und können durchaus zu Entwicklungs- und Vertriebsabsatzschäden führen. Das weiß auch FORD und verkündet die Schließung von mehreren Werken in Europa, wo für 2013 ein Minus von einer Milliarde Euro befürchtet wird. FORD war, wie wir wissen, der einzige der großen US-Hersteller, der in der Krise 2008/2009 keine Rettungshilfsgelder des Steuerzahlers erhalten hat, im Gegensatz zu GM und Chrysler.

Hilferuf an die Politik
Der Ruf nach einer neuen, verbesserten Runde des so hilfreichen Kurzarbeitergeldes wurde im Herbst wieder laut. Die gesetzliche Bezugsfrist beträgt 6 Monate und kann durch entsprechende Verordnung des Arbeitsministeriums verlängert werden. Dieses - von der deutschen Regierung im Zuge der Bewältigung der Krise 1.0 eingeführte Kurzarbeitergeld - hat sich gemeinsam mit dem Programm zur Verbesserung / Erhaltung der Infrastruktur als eine kluge und entschlossene Handlung erwiesen, die tatsächlich Deutschland eine Verbesserung der Wettbewerbsposition eingebracht hat. Dagegen sind die entlassenen Arbeitnehmer in den von der Krise gebeutelten MittelmeerStaaten nicht mal mit einem existenzsichernden Sozialgeld versehen, geschweige denn mit einem joberhaltenden Kurzarbeitergeld-Paket. Gut für Deutschland, kann man sagen, schlecht für Griechenland, Italien und Spanien, die mit Arbeitslosenzahlen von ca. 25% (unter den Jugendlichen 50%) zu kämpfen haben. Leider sind die Interdependenzen in einer verflochtenen, globalisierten Welt sehr groß, zudem das gemeinsame EU-Bankensystem getrost als tiefst marode bezeichnet werden kann (die deutschen Banken sind nicht ausgenommen). In der Tat schlummert hier die größte Gefahr für das Ausbrechen einer Krise 2.0: Im EURO-Bankensystem, das nur zögerlich unter einer Koordinierung und Überwachung der EZB im Laufe des Jahres 2013 gestellt wird, aber diese Behörde muss erst mal eingerichtet werden. Ihre Wirksamkeit ist ungewiss. Die Beschäftigungsabsichten trüben sich für 2013 deutlich ein (siehe Abbildung).




Innovation als Retter?
Die großen Treiber der Wirtschaft sind drei:

  • die Unternehmen,
  • die öffentlichen Haushalte und
  • die privaten Konsumenten.
Ein kleiner historischer Rückblick ist hilfreich, um die heutige und morgige Situation besser einzuschätzen. Überkapazitäten waren in Europa und in den USA Anfang der 90er Jahre eine Gefahr, Rezession machte sich breit. Aus dieser mißlichen und durchaus bedrohlichen Lage hat die New Economy geführt. Angestachelt durch billiges Geld (gesteuert über Alan Greenspan, den Chef der FED) ist die Phantasie um die Chancen der webbasierten Unternehmen und darüber hinaus der IT-Branche davongaloppiert.

Es ist sehr viel "funny money" geschaffen worden, angefacht um die Gefahr des Zusammenbruchs der weltweiten IT-Systeme durch den Jahrtausend-Wechsel, der meist nicht einprogrammiert war. Al Gore, der Vize-Präsident der USA, war hier der Protagonist. Die New Economy Blase ist geplatzt, profitiert hat jedoch wer überlebt hat und die "Old Economy". Die sich daran zeitlich angeschlossene China Euphorie hat der Weltwirtschaft weitere große Impulse gegeben.
Die privaten Verbraucher schließlich haben die 3G Kommunikation mit massiven Käufen weltweit befeuert, sehr zur Freude von Apple, Samsung und Co. und Tausenden von in diesem Feld tätigen Unternehmen.

Dieser Trend hält an, schon spricht man von web 4.0. Hier finden wir schon die intelligente Produktionsanlage, die selbständig ihren Wartungsdienst ruft, wenn ein Ausfall droht. Ebenso das Regal im Handel, das selbständig seinen Nachschub disponiert. Das alles führt zu einer weiteren Steigerung der Produktivität und somit indirekt zu Überkapazitäten. Die Konsumenten sind aber etwas zögerlich, weiter teure Geräte zu kaufen. Die Welle ebbt ab.

Was tun? Es ist in der Zwischenzeit nicht nur unter Insidern sicher, dass die weltweiten Schulden nur dann nicht "explodieren", wenn die europäische Krise unter Kontrolle gehalten werden kann. So ist auch der Kurswechsel der Bundesregierung zu erklären, Griechenland doch zu retten. Nach einer Studie des Prognos-Institut (im Auftrag der Bertelsmann Stiftung) beträgt das weltweite Risiko-Potential einer von Griechenland, Italien oder Spanien ausgelösten Kettenreaktion 17.000 Milliarden Euro, 17 Billionen also. Dies würde eine weltweite Wirtschaftskrise auslösen. Ich habe sie Krise 2.0 genannt. Es ist nicht lustig, mit derartigen Szenarien zu arbeiten. Notwendig ist es aber, Budgetpläne auch unter so einem Szenario zu beleuchten. Ansonsten erscheint die Erlangung einer neuen Kompetenz für produzierende Unternehmen wichtig: die Fähigkeit, ruhig und entschlossen mit den aus Finanzkrisen generierten Volatilitäten umzugehen Modus: Business as usual in der Krise.

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